Zuverlässigkeit und Ausfälle

Wichtige Kriterien für die Bewertung der Qualität im landesweiten SPNV sind Zuverlässigkeit und Ausfälle.

Definition

Ausfälle

Ausfälle werden in den Kategorien vorhersehbare, nicht vorhersehbare und abgestimmte personal- und fahrzeugbedingte Ausfällen unterschieden.

Vorhersehbare Ausfälle

Dies sind im Vorfeld bekannte Ausfälle durch Baumaßnahmen (z. B. Arbeiten an Gleisen, Weichen, Oberleitungen, Stellwerken, Bahnhöfen).

Sie werden separat erfasst, da sie in der Regel frühzeitig kommuniziert und durch Ersatzkonzepte (Ersatzzüge / Schienenersatzverkehre) kompensiert werden und dem Fahrgast eine Weiterfahrt möglich ist.

Nicht vorhersehbare Ausfälle

Diese treten meist kurzfristig auf, sodass die Einschränkungen nur bedingt kompensiert werden können.

Ursachen können z.B. sein: extreme Witterungsverhältnisse, Schäden an der Infrastruktur / am Fahrzeug, mangelhafte Fahrzeugbereitstellung / Personaldisposition durch das EVU oder polizeiliche Ermittlungen / Personenunfälle.

Zuverlässigkeit

Die Zuverlässigkeitsquote wird gebildet aus dem absoluten Anteil der nicht vorhersehbaren Ausfällen von Fahrten im Verhältnis zu dem absoluten Anteil der zu erbringenden Fahrten.

Zur Ermittlung der Zuverlässigkeit einer Linie werden die nicht vorhersehbaren Ausfälle einer Linie auf den Kilometer genau erfasst und ins Verhältnis zur geplanten Verkehrsleistung gesetzt.

Abgestimmte personal- und fahrzeugbedingte Ausfälle

Die geplanten und abgestimmten Ausfälle werden seit dem Berichtsjahr 2024 nicht mehr in den nicht vorhersehbaren Ausfällen eingerechnet.

Diese wirken sich damit nicht negativ auf die Zuverlässigkeit der betroffenen Linien aus.

Sie bilden eine eigene Kategorie zu den Ausfällen und werden separat dargestellt.

Ausgefallene Zugkilometer

Vorhersehbare und nicht vorhersehbare Ausfälle

Gegenüber den Vorjahren sind im Jahr 2025 die ausgefallenen Zugkilometer weiter gestiegen. Waren es im Jahr 2024 noch 20,6 Mio. ausgefallene Zkm., sind es im Jahr 2025 21,0 Mio. ausgefallene Zkm. geworden.

Hohe Bautätigkeiten und generelle infrastrukturelle Schäden haben die vorhersehbaren Ausfälle verglichen mit dem Vorjahr weiter um 0,5 Mio. Zkm. auf 12,1 Mio. Zkm. im Jahr 2025 steigen lassen.

Die nicht vorhersehbaren Ausfälle verringern sich seit zwei Jahren und liegen im Jahr 2025 bei 4,6 Mio. Zkm. Sie sind gegenüber dem Vorjahr um 1,8 Mio. Zkm. gesunken.

Im Jahr 2025 sind im Rahmen abgestimmter personal- und fahrzeugbedingter Ausfälle Leistungen zwischen Besteller und EVU abgestimmt reduziert worden. Als Resultat sind die nicht vorhersehbaren Ausfälle gefallen. Durch die Reduktion soll der Betrieb für den Kunden verlässlicher und planbarer verlaufen. Der Wert bei diesen geplanten Ausfällen liegt bei 4,3 Mio. Zkm und ist gegenüber dem Vorjahr um 1,7 Mio Zkm. gestiegen.

Höchste Ausfallquoten

Vorhersehbare Ausfälle

Vor allem die hohe Anzahl an Baumaßnahmen führen im Jahr 2025 zu vorhersehbaren Ausfällen. Außerdem haben betriebliche als auch infrastrukturelle Störungen, welche länger andauern, die vorhersehbaren Ausfälle beeinflusst.

Die Linien RB 92 mit 83,3 %, RB 35 mit 51,1 %, RE 47 mit 47,8 %, RB 46 mit 34,8 % sowie RB 54 mit 33,7 % weisen nacheinander geordnet im Jahr 2025 die höchsten Ausfallquoten auf.

Linien mit den höchsten Ausfallquoten

Höchste Ausfallquoten 2025
# Linie Ausfallquote
1RB 9283,3 %
2RB 3551,1 %
3RE 4747,8 %
4RB 4634,8 %
5RB 5433,7 %

Hintergründe je Linie

RB 92

Aufgrund Asbestbefunde bei einer Brückensanierung wurde der Verkehr bei der Linie RB 92 im Frühjahr 2025 komplett eingestellt. Die Einstellung des Verkehrs wird über den Fahrplanwechsel im Dezember 2025 hinaus noch gelten.

RB 35

Durch den Umbau des Duisburger Hauptbahnhofs kam es bei der Linie RB 35 zu einer lokalen Einstellung bzw. Linienkürzung des Linienbetriebs.

RE 47

Die Linie RE 47 wurde neben dem Fahrzeugmangel (hier: abgestimmte personal- und fahrzeugbedingte Ausfälle) durch Baumaßnahmen im Bereich zwischen Düsseldorf und Solingen beeinträchtig. Daher ist die Linie RE 47 durch beide Ausfallarten komplett das gesamte Jahr im SPNV ausgefallen.

RB 46

Infrastrukturelle Störungen als auch eine starke Auslastung auf der Strecke zwischen Bochum und Gelsenkirchen führen bei der Linie RB 46 zu einer höheren Ausfallquote.

RB 54

Auf dem Streckenabschnitt der Linie RB 54 zwischen Unna und Fröndenberg gibt es weiterhin die Totalsperrung aufgrund eines Schadens am Bahndamm (Dachsbau). Außerdem hat es im Mai und Juni Baumaßnahmen zwischen Fröndenberg und Neuenrade sowie Baumaßnahmen im September zwischen Menden und Neuenrade gegeben.

Zuverlässigkeitsquote

Zuverlässigkeit

Die Zuverlässigkeitsquote aller erhobenen Linien liegt im Jahr 2025 im Durschnitt bei 96,0 % und wächst seit ihrem Tiefpunkt im Jahr 2023 weiter. Lag die Zuverlässigkeit im Jahr 2024 noch bei 94,5 %, ist sie im Jahr 2025 um 1,5 PP gestiegen. Das Wachstum ergründet sich u. a. darin, dass die personal- und fahrzeugbedingten Ausfälle aus der Zuverlässigkeit seit dem Jahr 2024 herausgerechnet werden.

Niedrigste Zuverlässigkeitsquoten

Nicht vorhersehbare Ausfälle

Vor allem von kurzfristigen betrieblichen als auch infrastrukturellen Störungen sind eine Vielzahl von Linien im Jahr 2025 im Rahmen von nicht vorhersehbaren Ausfällen betroffen gewesen. Außerdem haben vorzeitige Wenden durch Verspätungen zu nicht vorhersehbaren Ausfällen auf einem Streckenabschnitt geführt.

Die Linien RE 10 mit 84,4 %, RE 49 mit 89,2 %, RB 31 mit 91,9 %, S 11 mit 92,8 % sowie RB 25 mit 93,0 % weisen nacheinander geordnet im Jahr 2025 eine der niedrigsten Zuverlässigkeitsquoten auf.

Linien mit den niedrigsten Zuverlässigkeitsquoten

Niedrigste Zuverlässigkeitsquoten 2025
# Linie Zuverlässigkeitsquote
1RE 1084,4 %
2RE 4989,2 %
3RB 3191,9 %
4S 1192,8 %
5RB 2593,0 %

Hintergründe je Linie

RE 10

Bei der Linie RE 10 hat es größtenteils Fahrzeug- und Infrastrukturstörungen gegeben, was die Zuverlässigkeit verringerte.

RE 49

Auf dem Südast der Linie RE 49 zwischen Essen und Wuppertal gibt es des Öfteren eine Infrastrukturstörung, welche den Betrieb so weit stört, dass der Zug auf dieser Strecke ganz ausfallen muss.

RB 31

Die Linie RB 31 ist aufgrund infrastruktureller Probleme und Mangel an ihren Fahrzeugen ausgefallen.

S 11

Die nach wie vor recht hohe Ausfallquote der Linie S 11 ist auf Probleme der Infrastruktur zurückzuführen.

RB 25

Der Verspätungseintrag der Linie RB 25 aufgrund der Kurzwende im Hansaring als auch aufgrund der weitgehenden eingleisigen Abschnitte im Oberbergischen führt oftmals zu vorzeitigen Wenden, welche den Ausfall beeinflussen.

Aktionsprogramm Personal

Abgestimmte personal- und fahrzeugbedingte Ausfälle

Die abgestimmten personal- und fahrzeugbedingten Ausfälle sind bei den folgenden Linien einbezogen worden:

  • RE 3
  • RE 4
  • RE 6 (RRX)
  • RE 7
  • RE 11 (RRX)
  • RE 19
  • RE 44
  • RE 47
  • RE 78
  • RE 82
  • RB 34
  • RB 35
  • RB 36
  • RB 39
  • RB 48
  • RB 65
  • RB 66
  • RB 67
  • RB 89
  • RB 94
  • RB 97
  • S 28

Ein großer Anteil dieser Ausfälle ist auch dem Aktionsprogramm „Personal für mehr Zuverlässigkeit im Betrieb“ zuzuschreiben, welcher zu den abgestimmten personal- und fahrzeugbedingten Ausfällen klassifiziert wird.

Diese Störkategorie ist eingeführt worden, um auf den anhaltenden Mangel an Triebfahrzeugführern zu reagieren. Bei besonders betroffenen Linien oder Netzen ist das Fahrplanangebot vorübergehend so reduziert worden, dass die verbleibenden Fahrten stabil und zuverlässig gefahren werden können.

Als Resultat soll das Zugfahren für den Fahrgast wieder planbar werden, da spontan auftretende Ausfälle minimiert werden.

Sieben Themencluster

Ursachen kurzfristiger Ausfälle

Die Statistik sagt aus, dass die nicht vorhersehbaren Ausfälle weiter von 5,5 % im Jahr 2024 auf 4,0 % im Jahr 2025 gesunken sind.

Aufgrund der weiteren Senkung ist die Betrachtung der Ursache von hohem Interesse.

Die nicht vorhersehbaren Ausfälle werden aufgrund ihrer Ursachen in sieben Unterkategorien eingeteilt. Die Auswertung basiert auf ca. 100 Linien.

Hierbei ist zu erkennen, in welchen Themengebieten Handlungsbedarf besteht. Einige Beispiele für Störungskategorien sind in der Informationsbox aufgelistet.

Anteil der Ausfallursachen an der bestellten Leistung 2024 und 2025:

Themencluster der Ausfallursachen (nicht vorhersehbar, kurzfristig):

Beeinflussung durch andere EVU

  • Behinderungen durch liegengebliebene oder verspätete Regionalverkehre
  • Behinderungen durch Züge des Fernverkehrs (z.B. ICE, IC oder Flixtrain)
  • Behinderungen durch Züge des Güterverkehrs

Betriebsablauf

  • Verspätungen aus vorherigen Fahrten
  • vorzeitige Wenden
  • Störungen beim Flügeln / Kuppeln

Externe Einflüsse

  • witterungsbedingte Störungen / Unwetter
  • Tiere oder Gegenstände im Gleis
  • polizeiliche Ermittlungen
  • Vandalismus

Fahrzeug und Wagen

  • fahrzeugbedingte Störungen

Infrastruktur

  • infrastrukturbedingte Störungen (z.B. an Stellwerken oder Bahnübergängen)
  • unbesetzte Stellwerke

Personal

  • genereller Personalmangel
  • verspätetes Personal, kurzfristiger Personalausfall
  • Verfehlungen des Personals

Sonstiges

  • sonstige Gründe
  • Streik

Das Aktionsprogramm „Personal für mehr Zuverlässigkeit im Betrieb“ sorgte im Jahr 2025 dafür, dass die in der übergeordneten Kategorie „abgestimmte personal- und fahrzeugbedingte Ausfälle“ gegenüber dem Vorjahr gestiegen sind. Als Gegenpol ist bei den nicht vorhersehbaren Ausfällen die Rubrik „Personal“ gefallen. Somit ist der Ansatz erreicht, dass durch das o. g. Aktionsprogramm die Ausfälle durch den kurzfristigen Personalmangel möglichst geringgehalten worden ist.

Es wird ersichtlich, dass es im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr aufgrund von infrastrukturellen Störungen (Rubrik „Infrastruktur“) im Betrieb kurzfristig zu mehr Ausfällen gekommen ist.

Außerdem ist zu beobachten, dass es wegen Störungen im Betriebsablauf (Rubrik „Betriebsablauf“) zu gestiegenen Ausfällen gekommen ist. Da Störungen im Betriebsablauf auch oft im Zusammenhang mit den infrastrukturellen Mängeln stehen, treten hier negative Wechselwirkungen beider Störarten auf.

In der Rubrik „Fahrzeug und Wagen“ ist es zu einer erhöhten Ausfallquote gekommen.

Leider konnten die „abgestimmten personal- und fahrzeugbedingten Ausfälle“ nicht erwirken, dass es im Verhältnis zum Vorjahr zu weniger kurzfristigen Ausfällen aufgrund von fahrzeugbedingten Störungen gekommen ist.

Die Werte in den Rubriken „Beeinflussung durch andere EVU“ und „Externe Einflüsse“ haben sich geringfügig gegenüber dem Vorjahr erhöht.

Der Wert der Rubrik „Sonstiges“ ist stark gefallen. Im Jahr 2024 haben Streiks, welche zu der Rubrik „Sonstiges“ zugeordnet sind, die Ausfälle steigen lassen. Im Jahr 2025 gab es keine Streiks im SPNV in NRW, daher erfährt dieser Wert einen erhöhten Rückgang.